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Mittwoch, 26. März 2014

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Never let it go
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Freitag, 14. Juni 2013

Super.

Es ist eine Welt hinter der Welt, die man nur aus dem Augenwinkel erblicken kann. Die meisten denken, sie wären nicht da, aber es gibt sie. An alten Häusern, krumme Winkel, flirrende Luft. Etwas sagt uns, dass nicht alles ist, wie es scheint, aber wir wissen nicht warum. Bringen wir uns in die richtige Position, dann sehen wir. Von tiefem Schwarz umrandete Risse aus blassem Weiß. Neigen wir den Kopf zu weit, ist es verschwunden und die Scheinfassade verdeckt den Blick.
Fenster in unnatürlichen Formen, optische Illusionen, die das Verborgene beschützen. Sie sind überall in jeder Straße, in jeder Stadt, am Rande des Weges. Doch kaum einer erkennt sie. Sieht man richtig hin, dann erblickt man das Alte, eine Welt, die sich versteckt vor uns hält. Folgt man dem Kaninchen in seinen Bau.



Sonntag, 26. Mai 2013

Wolken.

Ich mag meine Heimat. Ich bin hier aufgewachsen. Das soll gar nicht patriotisch klingen, aber ich mag das Meer. Es ist immer da, schwappt mit hypnotischer Genauigkeit über meine Füße. Es bringt kühle Winde mit sich und erstarrt in einem frostigen Winter zu wunderschönen Skulpturen. Ich setze mich gerne an das Meer und lasse meine Gedanken schweifen. Wenn sich alles wie eine Sackgasse anfühlt, dann bringen mich die im Wind wogenden Schilfhalme auf andere Gedanken. Die Wolken bilden immer neue Phantasiegebilde und ich liebe es, im Gras zu liegen und sie dabei zu beobachten. Schäfchenwolken nannten wir sie früher. Heute weiß ich, dass man zu ihnen Cirrocumuli sagt. Das entzaubert ihre Aura trotzdem nicht. Im Gegenteil, es macht sie mythischer.
Es ist schon lange her, dass ich mich an den Bodden gesetzt habe und sie beobachtet habe. Manchmal wünsche ich mir das zurück. Die Unbeschwertheit und Leichtigkeit. Aber man soll ja nicht in der Vergangenheit leben, oder? Ich kann sie doch immer noch beobachtet. Ich muss mir nur die Zeit nehmen.

Freitag, 24. Mai 2013

Spinnen.

Die Zebraspringspinne war 2005 die Spinne des Jahres. Sie ist nur 0,7cm lang und kann mit einem Sprung eine Distanz von 14cm zurücklegen. Das hat nicht einmal Heike Drechsler geschafft. Also in Relation zu ihrer Körpergröße. Die Schaumzikade ist noch heftiger drauf. Sie könnte, wenn sie ein Mensch wäre, aus dem Stand das Empire States Building hochspringen. Ihr habt sie vielleicht sogar schon gesehen. Im Sommer findet man manchmal im hohen Gras Schaumnester. Das sieht dann so aus, als hätte jemand auf den Boden gerotzt. Dadrin wachsen aber kleine Schaumzikaden heran. Wunder der Natur, die jeden Extremsportler in den Schatten stellen würden. Insekten sind also viel leistungsfähiger als wir Menschen. Sie sind auch nicht so faul. 
Ich fahre gern mit dem Rad. Springen finde ich nicht so gut. Laufen mag ich auch nicht.
Ich sage mir immer, man sollte nicht laufen, außer man wird verfolgt.



Donnerstag, 23. Mai 2013

Meine Nachbarin.

Meine Nachbarin ist alt. Sie wohnt hier vermutlich schon seit 50 Jahren. Ihr Mann ist tot, ihr Sohn ist tot. Sie hat nur noch ihren Enkel. Doch der wohnt sehr weit weg und kommt deshalb nur selten. Sie hat niemanden. Seit ein paar Monaten verlässt sie ihre Wohnung nicht mehr. Jeden Mittwoch klingelt sie an meiner Haustür und fragt, ob ich ihr den Müll mit runter bringen kann. Manchmal klingelt sie, weil sie eine Dose nicht öffnen kann, die Wohnzimmeruhr gestellt werden muss oder ich ihr die Post aus dem Briefkasten holen soll. Wenn ich in ihre Wohnung komme, ist es, als würde man 30 Jahre in die Vergangenheit reisen. Alles ist alt. Sie versteht mich schlecht, obwohl ich versuche klar zu sprechen. Sie ist immer höflich und drückt mir manchmal 50 Cent in die Hand, die ich aber oft dankend ablehne. Es kommt vor, dass ihr Fenster nicht mehr richtig zu geht und sie Panik bekommt. Dann wird sie manchmal ganz hysterisch, fängt an zu weinen und ich fühle mich hilflos. Ich versuche sie dann zu beruhigen, aber ich kann nicht immer verstehen weshalb sie so aufgebracht ist. Es sind für mich Kleinigkeiten, bedeutungslose Kleinigkeiten, aber für sie scheint das anders zu sein.
Manchmal fühle ich mich genervt von ihr. Dann schäme ich mich.

Sie.

Sie jagen einem Phantom hinterher, legen ihr Leben in fremde Hände. Geben sich auf und hoffen auf das Beste. Verantwortungslos verstecken sie sich hinter uralten Schriften. Predigen Intoleranz und Ausgrenzung. Sie wehren sich gegen die Natur, sie verleugnen das Leben. Sie stiften Hass und Zwietracht.
Sie glauben, sie wissen nichts.

Willenskraft.

Belina ist 8 Jahre alt. Sie lebt im Mwogo-Tal in Ruanda. Ihre Mutter starb an einer Infektionskrankheit, die sie in Folge des allgegenwärtigen Wassermangels erlitt. Belina muss mehrere Kilometer am Tag laufen, damit sie Trinkwasser von einer Quellen mit nach Hause bringen kann. Viele Quellen wurden während des Genozids 1994 zerstört. Sie lässt sich ihren Lebensmut deshalb nicht nehmen.
Trinkwasser ist ein Menschenrecht! 

Großraumlärm.

Stickige Luft und wabernde Hitze. Im Moloch lässt es sich gut leben. Vorausgesetzt man hält die Augen geschlossen, denn im Betondschungel regt sich was. Aus allen Ecken und Poren strömen Körpermassen zum Himmel. Der vermoderte Duft von Druckerschwärze schwängert die Luft und über allem thront der Lärm. Klacken, knacken, knirschen. Im Schritttempo rollt die Welle über den Asphalt und belästigt alle Ohren, erstickt die Stille. Weit weg am besten sofort. Die Anwesenheit des Nichts suchen und Ruhe finden. In den unberührten Winkeln der Welt die Zuflucht erhalten und den Geräuschen entkommen.
Im Refugium verharren, denn jede Minute ist kostbar und vergänglich. Mit klarem Kopf vom Gipfel blicken, dem Unheil entgegen. Bereit die Reise fortzusetzen über Jahrhunderte hinweg. Das Ziel im Fokus und stolzem Schritt durchschreitet er die Flur. Am Rande des Weges sinkt Rauch in den Boden ein und er marschiert unbeeindruckt weiter. Die Schlote mehren sich und durchdringen die Wolken. Am Ende wartet der Sirenengesang, fesselt ihn an sich und lässt ihn nie wieder los. 
Geschrei und Krawall flankiert von Paukenschlägen macht es unmöglich einen klaren Gedanken zu fassen. So bettet er sein Haupt und flieht erneut. In den Wald, ans Meer, auf die Wiese und hoch zum Mond. Der singt ein Wiegenlied nur für ihn und das Universum erstarrt.

Kreise ziehen.

Manchmal versucht man sich an Gerichten, ohne die notwendigen Zutaten zu haben, man improvisiert...man kippt etwas hiervon dazu, etwas davon und ehe man sich versieht, wird das wohlschmeckende Mahl zu einem ungenießbaren Gaumengraus.....ganz wie im richtigen Leben. Auf der Suche nach einer klaren Linie entwickeln sich penetranterweise immerzu neue Schlenker mit vorlockenden Abzweigungen. Wie behält man den Kurs? Die beste Möglichkeit ist natürlich die Augen zu schließen und stets einen Schritt vor den anderen zu setzen...doch es liegt in der Natur des Menschen, dass er irgendwann Kreise zieht, sich Linien überschneiden und man eine ganz andere Richtung einschlägt als vormals gedacht. Ich bin Sackgassen leid. Irgendwann steht man immer vor einer, entweder vor der eigenen oder der des Weges und immerzu scheint ein Weg spannender als das andere. Und immerzu fällt es schwer sich vor der selbsterbauten Sackgasse wiederzufinden. Alles was ich gelernt habe ist: gehe den Weg zurück zum Ausgangspunkt. Bleib nicht davor stehen, gehe nicht vorbei, schreite nicht darüber...dabei verliert sich nur der Verstand im Geflecht der Dinge.
Genau das gilt es zu tun...und dann stehe ich vor dem Fenster und draußen läuft ein Iltis vorbei...versprüht mit seinen Analdrüsen ein übelriechendes Sekret um seinen Weg zu markieren.